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Preisträger-Portrait

SHZ Sächsische Hebe- und Zurrtechnik gewinnt Sächsischen Meilenstein für familieninterne Nachfolge

04.11.2026 Großröhrsdorf

In Großröhrsdorf bei Bautzen fertigt die SHZ Sächsische Hebe- und Zurrtechnik GmbH hochwertige Gurtkonstruktionen zur Sicherung und Bewegung von Lasten. Die Produkte finden weltweit u. a. im Bergbau, im Schiffbau und im Speditionswesen Einsatz. Im vergangenen Jahr übergab Günter Böhme den Betrieb, der rund 70 Personen beschäftigt, an seine beiden Kinder. Sein Sohn Matthias Böhme treibt die Expansion als Geschäftsführer voran: Neben einer neuen Produktionshalle am sächsischen Firmensitz plant er den Aufbau einer Niederlassung in Chile.

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Versteckt im idyllischen Rödertal hat im Landkreis Bautzen ein Hidden Champion seine Wurzeln geschlagen: Dort wo einst mechanische Webstühle ihren Dienst verrichteten, sitzt die SHZ Sächsische Hebe- und Zurrtechnik GmbH (kurz: SHZ). Das 2002 gegründete Unternehmen knüpft an eine über 340-jährige Tradition in der Band- und Gurtweberei an. Textilien werden hier in Großröhrsdorf nach wie vor verarbeitet: Getreu dem Firmenslogan „Großes Bewegen. Mit Sicherheit.“ hat sich die SHZ auf hochwertige Gurtkonstruktionen zur Sicherung von Lasten spezialisiert. Der Mittelständler betreibt vor Ort eine eigene Produktion im Zweischichtsystem. Von den vier Gründungsgesellschaftern hatte sich zuletzt Günter Böhme altersbedingt zurückgezogen. Letztes Jahr übergab er den Betrieb an seine beiden Kinder.

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Günter Böhme (rechts) mit seinen beiden Nachfolgern Matthias und Franziska Böhme

Als strategischer Kopf leitet Matthias Böhme die Geschäfte bereits seit 2011, zunächst noch an der Seite des Vaters. Seine Schwester Franziska Böhme ist als Prokuristin mittlerweile seine offizielle Vertreterin. Das Geschwisterduo gibt rund 70 Angestellten eine Existenzgrundlage. Für ihren Mut, ein ganzes Unternehmen samt seiner Belegschaft zu übernehmen, erhielten die Geschwister Böhme jetzt den Sächsischen Meilenstein in der Kategorie familieninterne Nachfolge. Während die klassische Textilindustrie in der Region unter Druck steht, expandiert die SHZ. Ihr Beispiel demonstriert, wie der Strukturwandel gerade auch im ländlichen Raum gelingen und von der nächsten Generation weiter vorangetrieben werden kann.

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Matthias Böhme im Gespräch mit Markus H. Michalow (Geschäftsführer Bürgschaftsbank Sachsen) und Heiner Hellfritzsch (Juyvorsitzender des Sächsischen Meilenstein)

Mit der Übernahme führte Matthias Böhme eine neue Organisationsstruktur ein, wobei er als Geschäftsführer bewusst operative Kontrolle abgab. So stärkte er die zweite Führungsebene mit dem Ziel, „Verantwortlichkeiten klarer zu verteilen, Entscheidungen stärker in die Fachbereiche zu geben und Führungskräfte zu befähigen, selbstständiger und unternehmerischer zu handeln.“ Das Kernteam um ihn herum besteht heute aus seiner Schwester, die Personal und Buchhaltung verantwortet, dem Werksleiter Jens Kircheis sowie Marcus Fabich, der für Einkauf und Vertrieb zuständig ist.

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Der Werksleiter Jens Kircheis in den Produktionsräumen der SHZ

Wie bei den meisten inhabergeführtem Familienunternehmen steht nachhaltiger Erfolg bei der SHZ vor kurzfristigen Renditen. Davon profitieren letztlich alle Angestellten, die eine langfristige Jobperspektive und wiederkehrende Prämien erhalten. Der Rückhalt des Teams war es auch, der die Geschwister Böhme in ihren Übernahmeplänen bestärkte:

„Es war sehr schön zu spüren, dass das Team den Weg der internen Nachfolge mitträgt, Vertrauen schenkt und bereit ist, die Weiterentwicklung des Unternehmens gemeinsam zu gestalten.“

Der anhaltende Wachstumskurs des Unternehmens lässt sich an der Entwicklung des Firmensitzes nachzeichnen: Um die Produktionskapazitäten vor Ort auszudehnen, wurde der Komplex bereits drei Mal erweitert. Jede neue Halle bietet doppelt so viel Platz wie der Vorgängerbau. Halbiert werden konnten hingegen die Stromkosten – dank einer neuen Photovoltaikanlage, die dieses Jahr in Betrieb ging.

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Einblick in die Näherei der SHZ - hier wird noch Handarbeit betrieben

Unterdessen hat Matthias Böhme schon neue Baupläne: Auf dem Gelände soll in den kommenden Monaten ein weiterer Neubau mit 1000 m2 Produktions- und 400 m2 Bürofläche entstehen, der ebenso ein modernes Prüflabor beherbergen wird. Durch die zusätzlichen Arbeitsplätze in der Fertigung können dann noch mehr Angestellte in der Tagschicht arbeiten – eine Neuerung, die gerade auch Beschäftigten mit jungen Kindern zu Gute kommt. Die Expansionspläne beschränken sich derweil nicht auf Deutschland: In Chile hat man einen Partner gewonnen, mit dessen Unterstützung die SHZ eine lokale Montage und perspektivisch auch eine zusätzliche Produktion in Lateinamerika aufbauen will.

Insbesondere im Bergbau, einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige Chiles, wird deutsche Konstruktionskunst und zertifizierte Qualität geschätzt. Aber auch zur Frachtsicherung in der Logistik oder beim Schiffbau finden die SHZ-Gurte weltweit Einsatz. Das Unternehmen agiert als internationaler Player mit globalem Zulieferer-, Partner - und Kundennetzwerk. Aus Asien bezieht man Vorprodukte wie Gurtbänder, Metallhaken oder Ratschen, für die es in Deutschland teils keine Hersteller mehr gibt. Auch die Standardprodukte werden von festen Partnerfirmen in Fernost gefertigt, die das Management-Team regelmäßig im Rahmen der Qualitätssicherung besucht. Die Teilauslagerung der Produktion ins Ausland war ein notwendiger Schritt, damit die SHZ im globalen Markt konkurrenzfähig bleibt.

SHZ_Gurte_kurz

Gleichwohl kann das Unternehmen von sich behaupten, in seiner Branche die größte Produktion in Deutschland zu betreiben: Am Firmensitz in Sachsen konzentriert man sich dabei auf Sonderanfertigungen – etwa auf Gurte mit speziellen Abmessungen oder Haken. Die Produktion in der Heimat sichert der SHZ einen wichtigen Wettbewerbsvorteil: „Wie können kundenspezifische Produkte in relativ kurzer Zeit herstellen und ausliefern“, erklärt Matthias Böhme. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst: „An der Sicherheit unserer Produkte hängen Menschenleben. Daher machen wir bei der Qualität keine Kompromisse.“ Sämtliche Lieferungen, die das Lager in Großröhrsdorf verlassen, genügen strengen Sicherheitsvorschriften. So werden Gurte zum Heben von schweren Gegenständen stichprobenartig auf das 7-fache der Last getestet, für die sie zugelassen sind. Eine Rundschlinge aus hochfestem Garn – eine der jüngsten Produktinnovationen der SHZ - kann beispielsweise bis zu 100 Tonnen tragen.

Matthias Böhme selbst hat Erfahrung in der Produktentwicklung. Bevor er in den väterlichen Betrieb einstieg, arbeitete er als Projektleiter in der Entwicklung für den Maschinenbauer Trumpf. Bei dem Konzern hatte er auch sein duales Studium absolviert. Jungen Menschen, die wie er und seine Schwester ebenfalls die Aussicht auf die Übernahme eines Familienbetriebs haben, rät er: „Geht hinaus in die Welt und sammelt Erfahrungen außerhalb des Unternehmens.“ Dass sich diese Horizonterweiterung langfristig auszahlt, hat er mit der erfolgreichen (Fort-)Führung der SHZ schon jetzt bewiesen.

Bildquelle: Bürgschaftsbank Sachsen, SHZ Sächsische Hebe- und Zurrtechnik (Familienbild)