Er gehört zu der Sorte Wiederholungstätern, von der wir mehr in Sachen brauchen: Andy Krause übernahm im Abstand von 14 Monaten gleich zwei inhabergeführte Elektrounternehmen in Leipzig. Nachdem er 2022 die Nachfolge in der Elektro-Panzer GmbH angetreten war, erwarb er im Jahr darauf den Elektrobetrieb Lucks. In beiden Fällen verabschiedeten sich die alten Eigentümer in den Ruhestand. Heute führt Andy Krause die beiden Firmen unter dem „Elektro-Panzer“ Dach gemeinsam fort. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf der Instandhaltung, Wartung und Reparatur von elektrischer Gebäudetechnik im Stadtgebiet Leipzig.

Verleihung des Sächsischen Meilensteins: Arne Laß (Geschäftsführer BBS), Staatsminister Martin Dulig (Schirmherr des Sächsischen Meilensteins), Andy Kruse (Elektro-Panzer GmbH), Heiner Hellfritzsch (Juryvorsitzender Sächsischer Meilenstein), Markus H. Michalow (Geschäftsführer BBS) – v.l.n.r.
Mit Blick auf die Versorgungssituation bleibt zu wünschen, dass das Beispiel von Andy Krause noch viele Nachahmer:innen findet. Hierzulande droht tausenden kleinen Handwerksbetriebe mit dem Ausscheiden der Firmenchefs die Schließung – mit Auswirkungen auf jeden von uns. Spezialisten für Arbeiten in und am Haus zu finden, wird zunehmend zur Herausforderung. Dank Andy Krause ist immerhin der Bestand von zwei lokalen Dienstleistern gesichert und damit eine funktionierende Elektrik in hunderten Haushalten gewährleistet. Der Zukunft blickt der Neuunternehmer zuversichtlich entgegen: Er will mit Elektro-Panzer weiter wachsen und kann sich auch zusätzliche Übernahmen vorstellen. Für seine Vorbildfunktion erhielt der Neuunternehmer den Sächsischen Meilenstein 2024, den Preis für erfolgreiche Unternehmensnachfolge, in der Kategorie „unternehmensexterne Nachfolge“.
Mit seinem Einstieg bei Elektro-Panzer wechselte Andy Krause vom Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit. Während seiner Laufbahn hatte er Firmen aller Größen und Entwicklungsstufen von innen kennengelernt, wobei sein fachliches Steckenpferd immer die Lichttechnik war. Lange Zeit arbeitete er für ein Start-up aus Leipzig bevor er bei einem Mittelständler anheuerte, der schließlich von der E.ON Unternehmensgruppe übernommen wurde. Im letzten Job verfestigte sich bei Andy Krause der Wunsch nach unternehmerischer Unabhängigkeit. Der Nachfolger erinnert sich zurück: „Statt eine eigene Existenz zu gründen, wollte ich den Weg der Übernahme gegangen – unter anderem wegen der vorhandenen Kundenstruktur, Betriebsausstattung, vorhandener Expertise und weil immer mehr Firmen zur Übernahme stehen, die weitere Chancen auf Wachstum bieten.“
Die Handwerkskammer zu Leipzig sollte bei der Vermittlung der Nachfolge eine zentrale Rolle spielen und: „Ich bin froh, über den Kontakt der Handwerkskammer zwei etablierte, gestandene Handwerksbetriebe gefunden zu haben und sie – vereint in einem größeren Unternehmen – in die Zukunft führen zu können. Das Unternehmertum bringt spannende Herausforderungen mit sich, die ich persönlich so nicht kannte.“ Angst vor der Zukunft habe er keine. Man müsse immer flexibel genug bleiben, sich auch auf unerwartete Situationen einzustellen und neue, ungeplante Wege zu beschreiten, sagt Andy Krause. Genau diese Offenheit und Anpassungsfähigkeit ist es, die den Leipziger auszeichnet.

der neue Firmenchef Andy Kruse in seinem Büro in Leipzig-Grünau
Mit seinen Übernahmeambitionen hatte sich Andy Krause eigeninitiativ an die Handwerkskammer zu Leipzig gewandt, die fortan eine zentrale Anlaufstelle für ihn bleiben sollte. Betriebsberater Jens Krause stand ihm über den gesamten Nachfolgeprozess beratend zur Seite: „Sich vor Beginn der Nachfolge mit der zuständigen Kammer in Verbindung zu setzen, ist in der Regel eine gute Idee. Die Sächsischen Handwerkskammern begleiten die Übergeber und Übernehmer vom Finden eines geeigneten Unternehmens oder Übernehmers, über die Strukturierung des Nachfolgeprozesses bis hin zur Kaufpreisfindung und Finanzierung. Dabei arbeiten wir mit den jeweiligen Steuerberatern und Juristen ebenso zusammen wie mit einem großem Bankennetzwerk, die Bürgschaftsbank Sachsen eingeschlossen. Das hat auch im Fall der Elektro-Panzer gut geklappt – gleich mehrfach.“
Für die Nachfolgefinanzierung fand Andy Krause ebenfalls starke Unterstützung vor Ort: Die Sparkasse Leipzig stellte das nötige Fremdkapital für den Firmenkauf bereit, wobei Martin Fromm ihn kompetent und lösungsorientiert beriet. Heute führt Andy Krause acht Mitarbeitende. Was die Größe der übernommenen Betriebe betrifft, so geht er mit dem Trend: Zwei Drittel aller 2023 übergebenen Firmen waren Kleinstunternehmen mit maximal neun Mitarbeitenden, wie der kürzlich veröffentlichte Nachfolgemonitor des Verbands Deutscher Bürgschaftsbanken ermittelte. Verglichen mit den Zahlen von 2021 wechseln immer häufiger kleine Unternehmen den Inhaber.

Wareneingang mit hoher Durchlauffrequenz: das Ersatzteillager der Elektro-Panzer GmbH
Der Firmensitz der Elektro-Panzer GmbH ist ebenso bescheiden wie unscheinbar: In einer schmalen Gebäudezeile am Randes eines Wohngebiets in Leipzig-Grünau befinden sich Büro, Lager und Werkstatt des Handwerksbetriebs. Doch repräsentativ muss die Wirkstätte von Andy Krause ohnehin nicht sein. Er und sein Team sind die meiste Zeit im Außendienst im Einsatz. Im Auftrag von Wohnungsbaugesellschaften warten sie Elektroinstallationen wie etwa Lüftungs-, Beleuchtungs- und Wechselsprechanlagen – und das in hoher Frequenz. Allein im Bereich der Lüfterwartung ist die Elektro-Panzer für über 2.000 Wohnungen im gesamten Leipziger Stadtgebiet zuständig. Der Job erfordert Schwindelfreiheit – etwa wenn der Entlüfter, der die Abluft aus den Bädern nach draußen leitet, auf dem Dach eines 16-geschossigen Plattenbaus überprüft werden muss.

Wartung einer Lüftungsanlage auf dem Dach eines Leipziger Hochhauses
Auch Reparaturarbeiten fallen öfters an, gerade wenn in die Jahre gekommen Elektroanlagen ihren Dienst nicht mehr einwandfrei verrichten. Mit dem Erwerb der Elektroanlagen Lucks gewann Andy Krause darüber hinaus einen großen Geschäftskunden: Die DHL, für die man sich um das gesamte elektrische Gebäudemanagement am Drehkreuz Leipzig kümmert. Künftigen Firmenübernahmen gegenüber ist Andy Krause aufgeschlossen. Erlauben sie dem ambitionierten Unternehmer doch, neben seinem Personalstamm auch die Geschäftsfelder zu erweitern. Man darf also gespannt sein, welchen Handwerksbetrieb er als nächstes in die Elektro-Panzer integriert und damit vor einer Auflösung bewahrt.
Bildquelle: BBS-Sachsen
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